Donnerstag, 31. August 2017

Erst Statist, jetzt die Hauptrolle

Hier poste ich noch eine Weile Kopien von meinen neuen Beiträgen auf http://derdiedaspunkt.wordpress.com

In meinem letzten Blogbeitrag von Donnerstag hatte ich angekündigt, noch einmal separat auf die Oberteile einzugehen, die ich zu meinen Shorts Juniper trug. Es war eigentlich anders geplant, aber als ich sah, was ich da alles trug, wäre es den Oberteilen nicht gerecht geworden, wenn sie lediglich nur kurz als Statisten erwähnt werden.
Darum bitte ich Euch jetzt, Euer Augenmerk auf die Oberteile zu richten. Wer etwas zu den Unterteilen wissen möchte, kann gern nochmal hier nachlesen.
Bühne frei für das Neckholder Top von Beekiddie.
Ich habe es aus einem hellblauen Jersey mit silbernen Ornamenten genäht. Es war eine Rabattaktion bei Makerist gepaart mit einigen heissen Sommertagen hier, die mich dazu bewegten, dieses BeeNeck Shirt zu nähen. Das schöne daran ist, dass man die Träger auch hinten befestigen kann. Bisher habe ich im Nacken einen Knoten gemacht, überlege mir aber eventuell für den nächsten Sommer eine Variante, wie ich beides haben kann.
Über das nächste Shirt habe ich bereits schon berichtet, scheue mich aber nicht, es nochmal zutun, weil ich in den Schnitt sooo verliebt bin. Es ist das Artemis von Lasari Design, das ich jetzt schon 4 mal vernäht habe, ein 5. aus weissem Jersey ist in Planung und für den Winter habe ich bereits Wollstoff, um mir die langärmelige Version als Pullover zu nähen.
Ja, ihr seht ganz richtig, ich habe bereits ein Artemis in weiss, aber der Stoff scheint reiner Polyester zu sein und an warmen Tagen entwickelt sich ein Geruch, der die Menschen um einen herum die Nase rümpfen lässt - was meist weit vor dem Moment geschieht, bevor man es selbst bemerkt. Um die beiden Shirts unterscheiden zu können, werde ich das nächste weisse Artemis wahrscheinlich mit 3/4 Ärmeln nähen.
Das letzte Artemis ist aus einem Jersey, mit orange-lila Ringeln. Ich wollte es eigentlich noch zu der Aktion 12 Colours of Handmade Fashion dazu nehmen, bis ich später auf den Fotos sah, dass es fast nur orange aussieht. Oh je, hatten wir Orange schon? Ich hatte eigentlich vor, keine Fotos vor Bekanntgabe der neuen Farbe zu posten... Für den Fall, dass Orange drankommt, betrachtet das Foto als Sneak Preview oder besser noch als antizipierter Sneak Preview.
Die nächste Teilnehmerin im Bereich Oberteile ist Hera. Wardrobe by me, ein dänisches Label von der lieben Christina Albeck, stellte diesen vor einiger Zeit auf Facebook gratis zur Verfügung. Nach der Frida Shorts und dem Slipdress ist es mein 3. Schnitt von ihnen. Warum ich ausgerechnet diesen gut gereiften Chiffon aus meinem Stofflager nahm - tja, diese Frage stellte ich mir während des Nähens auch immer wieder, wenn die untere Stofflage nach links, die obere nach rechts, ich aber beide Teile unter dem Nähfuss gern geradeaus gehabt hätte. Chiffon eben. Die restlichen Meter davon habe ich jetzt erstmal ganz nach hinten verbannt, bis ich nächstes Jahr vielleicht wieder vergessen habe, wie frustrierend er ist.
Vom folgenden Top habe ich mittlerweile auch 3 Stück. Ein Kleid und 2 Tops. Es ist ein Burdaschnitt, der überraschend leicht zu nähen war, als ich erstmal den Knoten in meinem Kopf lösen konnte. Ich liebe diese Tops und nachdem ich ein blau Gemustertes genäht hatte, dass nicht so gut zu manchen Unterteilen passte, brauchte ich noch eins in Uni.
Zum Schluss nun zu meiner Bluse, die der Vorgänger zu der lila weiss gestreiften Bohobluse für 12 Colours of Handmade Fashion war. Die Vorgeschichte dazu ist hier zu lesen.
Ich stellte nach dem Zuschnitt der Bluse aus 2 Vorderteilen fest, dass sie kurz war. Blau weisser Stoffmangel verlangte nach einer Alternative und ich nahm den blauen Chiffon heraus. Ja, schon wieder Chiffon, ich scheine da eine masochistische Ader zu haben, aber tatsächlich war es nur ein kleines Stück und das benahm sich recht gut. Warum 2 Vorderteile? Zu wenig Stoff. Passiert halt, wenn man im Laden wegen einem anderen Stoff ist, den gestreiften Viskosestoff im Angebot entdeckt, aber nicht den blassesten Schimmer hat, was daraus für eine Bluse werden soll, geschweige denn, wieviel man benötigt.
Dieser doppelte V-Ausschnitt hatte jetzt allerdings einen entscheidenden Nachteil. Mir rutschte die Bluse ständig von der Schulter. Erst wollte ich einen breiten Streifen hinten anbringen, war mir aber unsicher, wie es am Ende aussieht und noch bevor ich es probierte, plante ich um und nähte 2 schmale Bändchen, die ich im Nacken binden kann.
Ich mache ja gern Fotos mit unterschiedlichen Kombinationen und griff mir nach der Shorts noch meine erste, lange Juniper. Aber erst beim Fotografieren fiel mir auf, was für ein geniales Outfit das ist, weil in Bluse wie auch Hose der gleiche blaue Chiffon ist. Das war mir gar nicht bewusst und ich war im Nachhinein völlig begeistert von meine Stoffwahl.

Die Fakten:

Die Tops:
Beekiddie Neckholder Top: Beekiddie, Stoff: Das Königskind, Friedberg/Hessen
Artemis schulterfreies Top: Lasari Design 
Bluse Hera: Wardrobe by me (Gratis Schnitt)
Burda Top: Leider ist der Link nicht mehr zu finden.
Bluse: Eine Mischung aus Kibadoo und eigenen Ideen.
Habt einen schönen Rums-Donnerstag,
01b71-img_3512

 

Sonntag, 27. August 2017

Kiss my stripes

Mein Blog ist umgezogen und er scheint jetzt bei http://derdiedaspunkt.wordpress.com

Als ich mit ca. 16 oder 17 Jahren von den Eltern eines Freundes (sie waren in der Textilbranche tätig) einen blau weiß gestreiften Stoff geschenkt bekam, nähte ich mir meinen ersten Overall. Er hieß damals noch Overall und nicht Jumpsuit. Ich nähte ihn ganz ohne Schnitt wie so ziemlich alles damals. Und wenn ich mich recht erinnere war es das letzte Kleidungsstück mit feinen, blauen Streifen (bis auf die Upcycling Shorts aus einem Fischerhemd). Ich hätte mir den Stoff wahrscheinlich auch nie gekauft, aber ich bekam ihn geschenkt und es waren viele Meter. Leider gibt es davon nicht mal mehr ein vergilbtes Foto, aber ich weiss, er hatte Druckknöpfe, lange Ärmel und Beine  und ich war stolz wie Bolle.
Ein paar-und-40 Jahre später, bestelle ich in voller Absicht und im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte wieder Streifenstoff, obwohl ich, und da bin ich mir zu 80% sicher, bis dahin nie wieder Streifen trug oder vernähte (bis auf die Upcyclingshorts aus einem Fischerhemd). Ringelshirts, ja. Aber Streifen... nee, ich glaube nicht.
1B25FF17-C2B2-494D-AAA9-CB5D108E3311
4551DA5C-6FA8-438C-814D-24F27F2E91A0
Anfang des Jahres entschied ich mich, bei den 12 Colours of Handmade Fashion von Selmin teilzunehmen und ich habe bisher keinen Monat, egal wie herausfordernd die Farbe ist, ausgelassen. Ich mag ihre Aktion, ihren Blog und die Art wie sie schreibt.

Warum eigentlich 12 Colours of Handmade Fashion?

Ich gehe mal davon aus, dass nicht jeder, der hier mitliest weiss, weshalb diese Aktion ins Leben gerufen wurde. Jeder hat so seine Lieblingsfarben bei Kleidung. Bei mir herrschen im Sommer die hellen Farben vor . Ich habe Unmengen an weißen T-Shirts und Blusen. Im Winter hingegen trug ich bis letztes Jahr vorwiegend dunkle Farben, meist Schwarz. Das ging soweit, dass ich so viel Schwarz im Schrank hatte, dass ich die zusammengelegten Teile nicht mehr voneinander unterscheiden konnte und mich dazu entschied, meine Pullover nach Auschnitten zu sortieren. Das dämmte das Problem ein wenig ein. Ziel dieser Aktion ist es aber, den Kleiderschrank ein wenig bunter zu machen. Und es ist erstaunlich, wie man plötzlich neue Farben für sich entdeckt... und plötzlich auch Muster.
613b255e-f2f7-4119-98e2-cedec63c6fe9
B6CC7EA7-2994-4D21-A404-B454D85B7B38
So lieben viele Teilnehmerinnen Streifen. Ich lese seit Monaten "Streifen gehen immer". Ähnlich wie bei meinem Spucktuchstoff, blieb ich beinhart und widerstand erstmal. Das hielt so lange an, bis ich bei irgendjemanden die erste Bluse mit Ballonärmeln sah und von jetzt auf gleich wusste, es muss g-e-n-a-u diese Blusen sein. Und diese Bluse war blau weiss gestreift. Ich zog los und kaufte den Stoff ohne zu wissen, welchen Schnitt ich wählen würde, noch wieviel ich dafür bräuchte.

Die erste Streifenbluse

Die erste Bluse mit Ballonärmelm (Blogpost folgt noch) aus einem wunderbaren blau weiss gestreiften Viskosestoff  sollte die Bohobluse  mit angepassten Ärmeln aus der Mix Match Kollektion von Kibadoo werden. Ist halt nur wirklich blöd, wenn man sich weder die Stoffmenge noch den Schnitt im Detail mal angesehen hat und dann merkt, der Stoff reicht vorne und hinten nicht.  Also entschied ich mich, anstatt Vorder- und Rückenteil zuzuschneiden, einfach 2 x das Vorderteil zu machen. Dafür reichte der Stoff. Erste Anprobe: Plan hat 1 A funktioniert, aber die Bluse geht nur bis zum Bauchnabel und das ohne Saum. Alter hin oder her, Faltenbauch auch egal, aber ich mag solche Blusen nicht mehr tragen. Ich fühle mich in etwas längeren Teilen wohl. Da jetzt noch Ballonärmel dran sollten (sind im Schnitt in der Form nicht angegeben), gab der letzte Rest Stoff keine Möglichkeit mehr her, noch etwas zur Verlängerung zusammenzuschnipseln. Wohl dem, der ein gut sortiertes Stofflager hat! Ich fand einen blauen Chiffon und setzte ihn unten an. Am Ende ging mein Plan auf. Nähere Ausführungen, wie gesagt, dazu im noch folgenden Blogpost, aber hier schon mal ein Sneak Preview:
4d9045cc-e983-4022-8c4b-e371fd65fa4f
Einmal infiziert von Streifen und Schnitt, passiert dann das: monatelange Streifen-Gehirnwäsche, eine geglückte Bluse und die Ankündigung der Farbe Lila für August liessen mich eine Stoffbestellung in Auftrag geben, die ich vor einem viertel Jahr niemals getätigt hätte. Wahrscheinlich habe ich bereits bei Google meinen persönlichen Algorithmus völlig durcheinander gebracht, als ich Streifenstoff in die Suchmaske schreib. Das Paket kam und ich war um 3 gestreifte Stoffe à 2 m reicher (alle waren runtergesetzt), darunter auch ein lila gestreifter.
k-DSC_0864.jpg
k-DSC_0865.jpg
Wenn man jetzt aber nochmal folgendes bedenkt: Für die 12 Colours of Handmade Fashion sind die Regeln recht einfach und locker. Man muss nicht etwas Neues nähen, sondern kann auch gern ein bereits früher genähtes Kleidungsstück präsentieren, solange sich in irgendeinem Faden die vorgegebene Farbe befindet. Und noch vor Bekanntgabe von Lila für diesen Monat hatte ich zufällig ein Shirt genäht, welches - Lila war! Ich wäre eigentlich bereits fein raus gewesen und mein Beitrag wäre hier zu ende, bis auf den Hinweis, dass ich zum xten mal mein geliebtes Artemis von Lasari für den Kussmundstoff von Milliblus wählte (plus die dazu passenden Socken!)
[gallery ids="4522,4563,4523,4564" type="square" columns="2"]
Aber nein .... Madame, die hier gerade diesen Text tippselt, war nicht mehr von dem Gedanken abzubringen, dass sie dringendst, trotz einiger Probenähprojekte, noch die lila weiss gestreifte Bluse brauchte und somit seid Ihr noch nicht entlassen. Also hinsetzen und weiterlesen! Vorallem diejenigen, die mich mit ihrer Streifenliebe infiziert haben! Und wehe hier meldet sich jetzt einer und sagt, er müsse auf Klo!
Kleiner Einschub am Rande: Mir werden auf meinem Tablet immer am oberen Rand neu eingegangene Emails angezeigt. Und eben erschien eine mit den Betreff "Mein lila gestreiftes Shirt"... Tja, Selmin, Du Streifenmonster, stell Dich mal brav in die Ecke und schäme Dich! Ich hab zwar jetzt viele Farben im Schrank, aber auch zunehmend Streifen!
9947578D-61A6-4205-A619-4CC01AD8E4A3
Zurück zu diesem Projekt. Blau weiss war gelungen, aber ich wollte jetzt unbedingt noch diesen vielversprechenden Rücken des Schnitts probieren und hatte ja auch genug Stoff. Klappte alles großartig! Erste Anprobe und was fällt mir nach dem Zuschnitt wieder ein: Die Bluse geht ja nur bis zum Bauchnabel!!! (Memo an mich: Unbedingt den Schnitt verlängern!!!) Kurz zuvor hatte ich für Itch to Stitch die Chaibluse probegenäht und das untere Teil gefiel mir großartig. Also zückte ich den Schnitt hervor, stellte fest, der untere Teil der Kibadoo Bluse passte perfekt auf die obere Kante vom Chaishirt und Stoff war auch da. Zuschnitt, anstecken, anprobieren, passt! - sieht aber Sch**ße aus. Doch ich hatte schnell die Lösung im Kopf. Ich nähte alles zusammen, schlug den breiten Saum nach oben, steppte ihn fest und zog ein Gummi ein. Die Ärmel vom Boho verengte ich nach unten hin, Schnitt 2 Rechtecke im Stoffbruch zu, kräuselte sie auf die Weite vom Bohoärmel ein und nähte sie dran. Damit bekam die Mix und Match Kollektion eine weiter Dimension, in dem ich 2 Schnitte kombinierte und noch eigene Ideen zufügte.
BBF73F7D-AB58-46F2-AE62-B0D582235D8B
B155017A-E4FA-48B6-8A60-4CE8343C866F
c4875f03-ca1c-4eb9-bb18-e6e0775aefd0
Ende gut alles gut. Ich werde jetzt ein Teufel tun und vor Verkündigung der neuen Farbe irgendetwas Posten, ob bei Instagram, Facebook oder hier, was noch nicht dran war! Denn ich stecke nicht nur in einem Probenähen für eine Herbstkollektion, sondern es geht im September noch für eine Woche nach Venedig. Da wird die Zeit ein wenig eng, zumal ich noch eine Auftragsarbeit erledigen muss.
af6deff8-7a4e-4be9-b5d8-1dcde0e37245
8c71e3a7-7391-43cb-a161-d16a9d233094
Kennt übrigens jemand schöne Stoffgeschäfte in Venedig, die bezahlbare Stoffe führen? Bitte immer her damit!
Diejenigen, die bis hierher mitgelesen haben, wünsche ich einen schönen Sonntag und einen guten Start in die nächste Woche. Die anderen, die vorher aufgegeben haben, geniessen wahrscheinlich schon den letzten Tag der Woche.
Auch Streifenmonster Selmin darf jetzt aus der Schämecke kommen.

Die Fakten:

Schnittgrundlage: Bohobluse Mix&Match Kollektion von Kibadoo, Unterteil: Chaibluse von Itch to Stitch.
Stoff: Bluse: Stoffe Hemmers
Eure
01b71-img_3512



Donnerstag, 24. August 2017

Es ist wie es ist

Ich bin jetzt unter http://derdiedaspunkt.wordpress.com zu finden. 

Wenn man diesen Sommer anhand meiner seit Juni entstandenen Kleidung beurteilt, war er gigantisch. Das ist eine Sichtweise. Wenn ich aber erwähne, dass ich vorwiegend bei schlechtem Wetter genäht habe, kommen wir der Sache schon etwas näher.
Ich liebe das Frühjahr und den Sommer. Wenn es nach mir ginge, könnten wir bis Anfang Dezember immer um die 25 Grad haben. Dann für die Weihnachtsstimmung kurz Winter und gegen Januar gleich wieder Frühling.
Attachment.png
Die letzten Wochen und Monate habe ich meine Zeit an der Nähmaschine eng anhand der Wettervorhersage geplant. Das liegt nicht nur daran, dass ich das bisschen Sommer geniessen will, sondern begründet sich auch in der Tatsache, dass mein Nähatelier unter dem Dach eines schlecht bis kaum isolierten Miethauses ist. Folglich ist es dort oben im Sommer brütend heiss.
Heute ist so ein Tag. Am Vormittag konnte ich noch ein paar Kleinigkeiten erledigen. Danach bin ich schnurstracks in den Garten, um erst Fotos zu machen und mich dann auf die Liege zu werfen. Auch jetzt sitze ich noch in der Sonne und tippsel auf meinem Tablett den heutigen Beitrag. Und laut Wettervorhersage werde ich in den nächsten Tagen eher am Abend oder am morgen nähen, dafür tagsüber die Sonne geniessen. Ja, es ist schon reichlich luxoriös wenn man die Möglichkeit dazu hat, aber alles hat auch seinen Preis. Wer denkt, er würde jetzt gern mit mir tauschen, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das Tauschpaket ein Komplettset ist und sich einige unangenehme Überraschungen darin befinden.
Attachment_1.png
Attachment_2.png
Attachment_3.png
Es gab Zeiten, da hätte ich auf der Stelle tauschen wollen. Doch die Zeiten sind hoffentlich vorbei. Mir gefällt mein Leben und um das sagen zu können, musste ich sehr, sehr viel ertragen, lernen und immer wieder üben. Eine der wichtigsten Lektionen war, zu akzeptieren. Und ich glaube, sie war für mich auch die Schwerste. Mein innerer Kampf gegen mich selbst, meine Depressionen, meine Unzulänglickeiten, usw.  stand Tag für Tag ganz oben auf der Agenda. Menschen, die mir sagten, ich muss es eben akzeptieren, lächelte ich zwar an, murmelte ein "ja", aber in mir schrie ich immer lauter "UND WIE, BITTE SEHR?" Ich fühlte mich noch schlechter und ungenügender. Der Kreislauf begann von vorn.
Es müssen nicht immer gleich Depressionen und Selbstzweifel sein. Manchmal hat man Erwartungen, Hoffnungen, Wünsche, die nicht in Erfüllung gehen oder es einfach mal ander kommt, als erwartet. Da ist es wichtig, irgendwann loszulassen. Wie schwierig es ist, las ich heute in der aktuellen Ausgabe von Zeit Wissen. Darin berichtet eine Therapeutin, dass sie es selbst erst lernen musste, um ihren Klienten erfolgreich behandeln zu können. Ein sehr empfehlenswerter Artikel, der mich tatsächlich so beschäftigt hat, dass dieser Blogbeitrag fast von allein seine Wendung vom Thema Sommer und Nähen zu akzeptieren wechselt.

Es ist wie es ist

Ich kann leider keine Anleitung geben, wie man etwas, sich selbst, die Lebensumstände oder Vorkommnisse akzeptiert. Bei mir war es ein schleichender Prozess, in dem ich Schritt für Schritt lernte mich und mein Leben mit allem Drum und Dran anzunehmen. Ich muss nicht mehr täglich dagegen ankämpfen oder versuchen, jemand anderer zu werden. Stattdessen habe ich mehr Energie zur Verfügung. Das heisst jetzt aber nicht, dass ich jeden morgen mit bester Laune aus dem Bett springe und fröhlich durch den Tag tanze. Es gibt immer wieder Tage, da wache ich entweder schon niedergeschlagen auf oder es ereilt mich irgend wann später. Meine Initialreaktion ist immer noch die alte: Dagegen kämpfen! Aber sobald ich mich dabei ertappe, kann ich mich heute besinnen, kann loslassen und sagen "es ist wie es ist." Und mit genau diesem Loslassen kommt eine Entspannung. Ich höre in mich rein, schaue, was mir fehlt, was ich brauche und handel danach. Wenn ich zu viel genäht habe, mache ich eine bewusste Pause und Ruhe mich aus. Wenn ich durch zu viele kreative Ausbrüche den Kontakt zu mir verliere, gehe ich joggen, um den Kopf frei zu bekommen und die Ideen besser sortieren kann. Und wenn das alles nichts bringt, dann bleibe ich eben niedergeschlagen. Aber das Rausgehen, ob Joggen oder nur gehen, dass hilft eigentlich immer, weil ich hinterher immer stolz bin, dass ich es gemacht habe. Mit der körperlichen Bewegung kommen auch die Gedanken in Bewegung. Das diese Dinge, auch Körperhaltung, Auswirkungen auf die Psyche haben, ist mittlerweile durch die moderne Gehirnforschung nachgewiesen. Aber man muss es üben. Immer wieder, weil die alten Muster nicht verschwinden.
Attachment_4.png
Attachment_5.png
Vorbild Wetter

Ohne es geplant zu haben, bekomme ich jetzt ganz wunderbar wieder den Bogen zu dem Thema, mit dem ich begann. Wir können das Wetter nicht ändern. Wenn es einen verregneten Sommer wie diesen gibt, dann können wir so viel meckern  wie wir wollen, dass Wetter wird dadurch nicht besser. Aber was wir ändern können ist unsere Einstellung, Haltung dazu und ggf. die richtige Kleidung. Fällt das Familienpicknick wegen Regen aus, so kann man ja gern erstmal enttäuscht sein, aber vielleicht findet man eine Alternative (habt Ihr schon mal Picknick im Wohnzimmer gemacht? - ich schon, weil in der ersten Wohnung nach meiner Scheidung am Anfang ein Tisch fehlte und ich einfach ein Tischtuch auf den Boden legte. Einer meiner Söhne sagt mir immer mal wieder, wie gern er sich daran erinnert.) Wer sich ewig darüber ärgert, dass dieses Picknick nun nicht  wie geplant stattfinden kann, wird keine Alternative finden. Man klebt förmlich an der Enntäuschung. Das ist, wie gesagt für einen Mooment völlig in Ordnung, aber dann heisst es Loslassenn und nach Alternativen schauen. Manchmal kommt dabei etwas noch Schöneres zustande, als geplant.
Attachment_6.png
Attachment_7.png
Ein kleines Beispiel aus meinem Leben. vor einigen Jahren planten mein Partner und ich einen tollen Abend in Frankfurt. Wir wollten mexikanisch essen gehen, aber das Restaurant war hoffnungslos überfüllt. Der Kellner riet uns, später noch einmal wiederzukommen. Wir gingen in ein kleines  Café, tranken Kaffe und gingen dann wieder zum Restaurant. Die Situation hatte sich nicht gebessert, vielleicht sogar verrschlimmert. Wir gaben auf und entschieden uns, ein anderes mexikanisches Restaurant aufzusuchen. Wir fuhren gut 20 - 30 Minuten, kamen an und bekamen einen Platz. Aber als wir bestellen wollten, sagte man uns freundlicch, dass die Küche bereits geschlossen hätte. Getränke gäbe es aber noch. Wirr hatten aber Hunger. Es war mittlerweile nach 23:00 Uhr. Ganz in der Nähe gab es einen Burgerladen. Dort stillten wir unseren Hunger. Danach fuhren wir eine Tankstelle an, kauften einen Sixpack Bier und fuhren auf einen kleinen Berg (für norddeutsche Verhältnisse ein Berg, für Alpenbewohner ein Hügel), setzten uns auf eine Bank, tranken unser Bier und genossen den Blick auf die Stadt. Und genau an diesen Abend erinnern wir uns immer wieder gern. Wenn wir heute einen schönen Abend planen, aber mal wieder nicht reserviert haben, sagen wir immer: "Zur Not gejt es mit einem Sixpack auf den Johannisberg!"
Ist das hier nicht auch ein Nähblog?

Das hätte ich ja jetzt fast vergessen und die Überleitung kommt abrupt. Aber es ist wie es ist.
Nach dem Probenähen der Juniper von Anniways Schnittmuster wollte ich noch unbedingt eine Shorts machen. Eine weitere bequeme aus Jeansjersey, wenn die andere mal in der Wäsche ist. Die hatte ich vor einer Weile aus einem anderen Schnitt mit Anpassungen gemacht und wählte für die 2. Hose den Juniperschnitt. Da das Material elastisch ist, nahm ich die Bundfalten raus und kürzte sie auf Shorts.
Attachment_8.png
Attachment_9.png
Attachment_10.png
Attachment_11.png
Attachment_12.png

Attachment_13.png
Jeansjersey ist ja wirklich toll, aber eine echte Shorts aus Jeans wollte ich auch noch machen. Ich habe zwar 2 Paar gekaufte Shorts im Schrank, aber weil sie nicht selbstgemacht sind, mag ich sie im Moment nicht tragen. Also nochmal die Juniper, diesmal mit Bundfalten. Der Denim, den ich verwendet habe enthält keinerlei Elasthan und ist relativ dick. Darum war mir von Anfang an klar, dass ich den Bund nicht aus deinem doppelt gefalteten Jeansstück machen würde, weil es einfach zu dick und wurstig werden würde. So schnitt ich das Bundteil der Länge nach nur zur Hälfte zu, schnitt aus dunkelblauen Leinen einen neuen Streifen zu, nähte ihn an den Denimstreifen und zum Schluss an die Hose. So ist jetzt aussen der Jeansstoff und innen der Leinenstoff.
Attachment_14.png
Da bei mir eigentlich nie hintere Hosentaschen fehlen dürfen, setzte ich sie auf, wie es sich für eine Jeans gehört. Wäre schnell gegangen, hätte ich nicht noch den Gedanken gehabt, dass ich sie besticken will. So saß ich gestern mit 2 einzelnen Hosentaschen im Garten und grübelte über ein Muster nach. Mir fiel nix ein. Dann kam die Idee: Ich vernachlässige so oft die Label an meiner Kleidung. Allein vom praktischen Aspekt eine blöde Angewohnheit, weil ich z.B. bei Shirts nicht sofort erkenne, wo hinten und vorne ist. Anstatt jetzt ein Label für die Hose zu vergessen, verzierte ich die Hosentaschen einfach mit meinen Initialen. Für meinen ersten Freihand-Stickversuch bin ich ganz zufrieden. Und die Hose geht nicht so schnell verloren! Steht ja mein Name drauf - gut, wenn Jennifer Lopez behauptet, es wäre ihre, könnte es schwierig werden.
Attachment_15.png
Eigentlich wollte ich jetzt noch etwas zu den Tops schreiben, aber das wird gerade zu viel, weil ich ja unbedingt über Wetter, Sommer und Loslassen schreiben wollte.
Ich werde dazu einen seperaten Post in den nächsten Tagen machen, der dann mit weniger Text einhergeht und sich auf die Oberteile konzentriert, denn die sind auch alle selbstgemacht.
Und wie binde ich jetzt meine Verlinkung zu Rums

ein - ups, schon passiert.
Fakten:
Schnittmuster für die Shorts: Anniways Schnittmuster, Hose Juniper
Stoffe: Jeansjersey (oder war es Romanit) von Das Königskind, Friedberg
Der Denim ist ein gut gereifter und abgehangener Jeansstoff unbekannter Herkunft. Meiner Expertise nach ist es ein 2012 Jahrgangsstoff, trocken, luftdicht gereift und im Abgang sehr weich.
Habt einen sonnigen Donnerstag!
Eure

Attachment_16.png