Mittwoch, 19. Juli 2017

Ein Rock der rockt

Bedenkt bitte, dass mein regulärer Blog jetzt unter http://derdiedaspunkt.wordpress.com erscheint. Emailabonennten können sich dort wieder anmelden.

*Dieser Post enthält Werbung

Probenähen

Wer nicht aus der Näh- und Bloggerwelt kommt, wird sich erstmal fragen, was denn Probenähen ist. Das ist ganz einfach: Schnittmusterersteller brauchen Näher, die ihren neuen Schnitt testen. Dabei geht es um das Schnittmuster, Passgenauigkeit, die Nähanleitung usw.
So bewarb ich mich bei Crearesa und rechnete mir nicht viel Chancen aus. Probenähen ist beliebt und es gibt ausreichend Probenäherinnen, die schon über viel Erfahrung verfügen. Aber dann bin ich förmlich in die Luft gesprungen, als ich von Resa die Nachricht bekam, dass ich dabei wäre.
Von dem Moment ging alles ganz schnell. Das Schnittmuster kam und ich druckte es sofort aus. Hier sei schon einmal erwähnt, dass das eigentliche Schnittmuster lediglich 9 Seiten Papier verbraucht. Bei einem anderen Rockschnitt sollte ich neulich 31 Seiten ohne Anleitung ausdrucken.
Die Röcke, die Resa bereits gerfertigt hatte, kannte ich ja bereits und als ich das Schnittmuster sah, war ich erstmal verwundert, dass nirgendwo ein Reissverschluss hinkam. Der ganze Schnitt besteht aus sage und schreibe 3 Teilen.
Um erstmal ein Gefühl für den Schnitt zu bekommen, nähte ich aus einem Stoffrest den ersten Rock, mit dem Ergebnis, dass ich jetzt 2 Röcke aus dem gleichen Material habe.

DSC_0900

DSC_0899

Ich wählte für meinen ersten Rock die Größe 36 und stellte schnell fest, dass er zu groß war. Und wie ich nun mal bin, hatte ich natürlich die ersten Seiten der Anleitung nur überflogen und dabei geflissentlich die Maßtabelle außer Acht gelassen. Da hätte ich gleich sehen können, dass die 36 zu groß ist. Aber die Änderungen war schnell gemacht und schon bald war der Rock fertig. Ein Vorteil ist, wenn man eine Overlockmaschine hat. Dann kann man fast alles damit nähen. Ich habe die normale Maschine nur für das Zusammennähen des Bundes und zum Säumen genommen.
Nebenher nähte ich an meinem Jumpsuit, zu dem noch ein separater Blogpost erscheinen wird. Dieser Overall war schwierig, weil ich auch da mal wieder zu ungeduldig war und meine eigenen Fehler hinterher korrigieren musste.
Um ein schnelles Erfolgerlebnis zu haben, nähte ich mir gleich meinen 2. Rock Resa. Diesmal aus einem stretchigen Denim. Auf Instagram hatte ich vor einer Weile Fotos gesehen, die mich sofort ansprachen. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was gezeigt wurde, aber die Farbkombination fand ich unglaublich genial. So bestellte ich mir 2 Denimstoffe, um daraus Hosen zu machen. Tja, knapp daneben - es wurde ein Rock Resa.

DSC_0936

Rock Resa trifft erstmal etwas zurückhaltender auf meine My June Bluse aus gelben Vichykaros.
Dann wurde ich auch durch die Zustimmung der anderen Probnäherinnen wagemutiger und kombinierte den Rock mit meinem T-Shirt nach einem Burdaschnitt (und ich habe im Moment absolut keine Ahnung, welcher das ist. Wer es aber gern wissen möchte, dem werde ich natürlich Auskunft erteilen).

DSC_0908

DSC_0927

DSC_0921

DSC_0918

DSC_0922

Den ersten Rock hatte ich bis dahin nur mit weißen Blusen kombiniert und ich versuchte es nochmal mit diesem T-Shirt.

DSC_0940

DSC_0941

Zwei Röcke sollten reichen

....sollte man meinen. Anfang des Sommers bzw. Frühlings hatte ich bereits schon einige nach meinen selbsterstellten Schnitten genäht und hatte ausreichend Röcke in meinem Kleiderschrank. Dann noch die 2 von Crearesa dazu. Das sollte reichen. Wäre da nicht....
... ja, wäre da nicht eine Mitnäherin gewesen, die von ihrem Probenähergebnis berichtete und das Schlüsselreizwort "Scuba" in den Raum warf. Als passionierte Softshellvernäherin war es ja eigentlich ein Muss jetzt auch endlich mal einen Scuba zu vernähen. Und wie mein kleines Elefantenhirn es will, fiel mir prompt der Scuba ein, der in meinem Lieblingsstoffladen war - zumindest das letzte Mal als ich da war. Nun aber war es abend und ich kratzte nahezu mit meinen Nägeln auf dem Holz, scharrte mit meinen Hufen, postete in die Facebookgruppe, dass ich auch noch Scuba vernähe, sofern der Stoff noch da ist. Vor meinem geistigen Auge sah ich, wie Uli aus "Das Königskind" die letzten Meter gerade verkauft hatte. Am nächsten Tag fuhr ich gleich hin.
Bisher bin ich immer in den Laden gegangen, habe mich erstmal in Ruhe umgeschaut, neue Stoffe in meinem Hirn für "später-nähen" gesammelt und nach einer Weile mich dann um das gekümmert, was ich eigentlich wollte.
An diesem Tag hatte ich das Gefühl, dass ich in den Laden stürzte (tat ich natürlich nicht - ich kann mich ja beherrschen). Ausgerüstet mit dem Schnitt vom Rock sagte ich auch gleich "Hallo, ich komme heute mit einem ganz besonderen Wunsch." - Daraufhin Uli: "Oh, dass ist ja mal was Neues." - "Habt Ihr noch den Scuba????" Dieser Moment war ungefähr so, wie wenn man bei seinem Arzt sein Blutergebnis abfragt und hofft, dass alles in Ordnung ist. Mein Blutergebnis war völlig in Ordnung - der Scuba war noch da. Und als ich meine gewünschte Menge hatte (70 cm bei einer Breite von 1,50m), hatte ich auch endlich die Ruhe, noch ein paar andere Stoffe zu streicheln.

DSC_1001

DSC_0005

Kaum war ich zu Hause, ging ich sofort in mein Nähatelier und nach 30 Min. (+/- einige Minuten) war der Scubarock fertig. Und da sah ich mich nun im Spiegel und dachte "Hm, ganz schön krass, dieser Blumendruck... ob das meinem Weltbesten gefallen wird?"
Wie auch immer, ich machte schnell ein Handyfoto, stellte ihn in die Probenähgruppe ein und innerhalb weniger Minuten waren meine Zweifel verschwunden. Spätestens als eine Mitnäherin meinte, sie wolle auch so einen Rock. Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber da springt erstmal dieser "Neeee, dass ist MEINER!"-Instinkt an.

DSC_0990

DSC_0995

Was ist Scuba

Ich wußte zwar, was ein Scuba ist, weil ich ihn bereits schon einige Male gestreichelt hatte, aber damit wisst Ihr ja nicht, um was für eine Art Stoff es sich handelt. Mit meinen eigenen Worten würde ich sagen, es ist ein neoprenartiger Stoff, der sich wie aufgeplustertes Jersey anfühlt. Damit liege ich erstmal gar nicht so verkehrt. Laut einigen Internetseiten zu Scuba geht die Meinung, was den Neopren betrifft, auseinander. Tatsache ist, dass es sich um eine Kunstfaser mit Elasthananteil handelt und tatsächlich eher als Jersey durchgeht. Scuba hat einen sehr festen Stand, weshalb man aus ihm wunderbar kastenförmige Sachen, z.B, ausgestellte Schultern usw. nähen kann. An den Fotos könnt ihr aber sehen, dass er nun nicht wie ein Tresor sitzt. Und vor allem: er knittert nicht.

DSC_0041

DSC_0040

DSC_0037

DSC_0034

Zum Schluß

Als ich die ersten beiden Röcke genäht hatte, war ich fest entschlossen mindestens einen Jerseyrock zu nähen, eventuell mit einem kleinen Volant. Dazu kam ich letztlich nicht. Auch nicht dazu, den Rock mit Futter zu nähen. Diese Option, sowie auch die Variante ihn knielang zu nähen oder alles zusammen oder mit Colour Blocking oder ohne sind im Schnitt enthalten.
Während des Probenähens entstanden viele tolle, unterschiedliche Röcke und es hat mir riesig Spaß gemacht, in dem Team mitzuarbeiten.
Tatsächlich wäre hier jetzt auch Schluß, wenn ich nicht heute morgen für ein anderes Probenähen meine Stofflager durchsucht hätte. Da fiel mir nämlich ein Rest Nadelstreifenstoff in die Hände. Nadelstreifen mit leichtem Elasthananteil und es war gerade genug übrig, um noch einen Rock zu nähen. So mußte das andere Projekt erstmal warten, weil ich wieder in ca. 30 Minuten zuschnitt und nähte.
Weit nach Terminabgabe schickte ich Resa dann die neuen Fotos (ich danke dem Wettergott, dass er für die Fotos kurzzeitig sie Sonne schien liess) mit der Option, sie entweder zu verwenden oder zu verwerfen.
Ich verwende sie auf jeden Fall hier, um Euch noch schnell zu zeigen, dass dieser Schnitt auch bürotauglich ist.

DSC_0053

DSC_0058

DSC_0055

Würde ich in einem Büro arbeiten, was ich glücklicherweise nicht mehr muss, wäre das der Rock für mich. Er wäre elegant und bequem zugleich. Ich finde ja, ich sehe auf den Bildern aus, wie eine Quotenfrau aus der Vorstandsetage, die gerade auf Ihren Chauffeur wartet, um zum nächsten Meeting gefahren zu werden. In der Mittagszeit dann schnell einen Salat, die Kosmetikerin und ab ins nächste Meeting, ein paar wichtige Deals abschließen, anschließend Sushi mit dem verheirateten Kollegen, mit dem sie ein Verhältnis hat, um dann ein wenig ermüdet zu Hause noch schnell in die Yogaklamotten zu springen, um ihren Körper in Form zu halten.. *Schublade zu!
Ich wünsche Euch allen eine schöne Woche, bedanke mich nochmal bei Resa und allen anderen Probenäherin für die schöne, lustige und auch informative Zeit.
Eure

01b71-img_3512






Schnitt: Rock Resa von Crearesa
Stoffe: Scuba von Das Königskind Friedberg (die anderen Beiden erinnere ich leider nicht mehr)
Verlinkt mit:
Creadienstag, Handmade on Tuesday, Dienstagsdinge

Mittwoch, 12. Juli 2017

Umzug zu Wordpress

Ihr Lieben,
ich bin am Wochenende mit meinem Blog zu Wordpress umgezogen.
http://derdiedaspunkt.wordpress.com
Ich werde hier noch eine Weile synchronposten und dann eine Weiterleitung schalten. Wer meinen Blog bei Blogpost (also hier)  per Mail abonniert hat, kann sich bei Wordpress neu eintragen. Bei Fragen wendet Euch an mich.

Ich hoffe, wir sehen uns weiterhin bei Wordpress. Bei dieser Gelegenheit danke ich Euch allen für die lieben Kommentare und Abonnenten.
❤️❤️❤️❤️❤️❤️

12von12 im neuen Blog

Ich bin ganz aufgeregt. Mit einer spontanen Aktion am Wochenende habe ich mich endlich getraut, mit meinem Blog von Blogspot zu Wordpress zu ziehen. Es ist mittlerweile fast alles da. Die Beiträge kamen recht problemlos rüber, einige Links in der rechten Seitenleiste fehlen noch, und in den älteren Posts müssen noch Verlinkungen zu eigenen Seiten angepasst werden. Darum lasse ich auch erstmal den alten Blog online.
Die ist jedenfalls mein erster neuer Post im neuen Blog. Und ich beginne mit 12 von 12 von Draußen nur Kännchen.
Der heutige Tag ist verregnet und irgendwie steht nicht viel außergewöhnliches an. Mein erstes Bild nach dem Aufwachen
FullSizeRender 2
Der Regen klatschte an die Dachfenster, was sich bisher nicht geändert hat und ich hing mit meinen ersten Gedanken bei 12 von 12 und gleich danach an dem Jumpsuit der auf meiner Schneiderpuppe auf mich wartet.
Ich entschied, dass ich heute mindestens zu jeder Stunde ein Foto aufnehme - egal, was ich gerade mache (Badezimmer und Aktivitäten dort ausgenommen).
Das 2. Bild war ein Instagrambeitrag, bei dem es um meine Lieblingsfarbe ging. Diese Entscheidungen morgens zu treffen, fällt mir echt schwer und während ich darüber nachdachte wurde mir bewußt, dass ich alle Farben liebe. Mal die eine Farbe mehr oder weniger.
IMG_4883
Mit dem nächsten Bild hänge ich bereits schon hinterher.
FullSizeRender
Hinter diesem Becher verbirgt sich eine meiner vielen Macken. Ich benutze ihn ausschließlich nur, wenn draußen tatsächlich Schietwetter ist. Und wenn es der letzte unbenutzte Becher in meinem Schrank bei herrlichem Sonnenschein ist - er bleibt stehen und ich wasche zur Not den Becher vom Vortag per Hand ab. Für eine Langzeitanalyse des Wetters ist absolut geeignet, denn je weiter er nach hinten in den Schrank rutscht, desto besser war das Wetter in den Tagen und Wochen zuvor. Übrigens trinke ich meinen Kaffee nicht ausschließlich bei Regenwetter aus dem Becher. Das können auch mal andere Becher bei Regen sein. Aber NIEMALS bei Sonnenschein kommt er zum Einsatz.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Auf Streifzug mit Stil - die haben nicht nur Glitzer in sich

Nachdem ich gestern für meine 3-fache Lady Topas viel mehr schrieb als ich wollte, werde ich mich heute kürzer fassen.
Es gibt auch nicht viel zu sagen zu diesem Kleid - es ist perfekt für mich (trotz einiger kleinen Uneinigkeiten im Streifenmuster).


Den Viskosejersey hatte ich in einem kleinen Stoffgeschäft im Taunus entdeckt und ohne zu wissen, was ich daraus machen wollte, kaufte ich ihn. Die schmalen blauen Streifen an deren Kanten feine Silberfäden dem Stoff das gewisse Etwas verleihen, war für mich Liebe auf den ersten Blick. 


Den passenden Schnitt dazu fand ich in der Fashionstyle von Mai 2017, die ich am Frankfurter Flughafen entdeckte und als "Flugzeuglektüre" mitnahm. 
Gleich das erste Kleid faszinierte mich durch die raffinierten Einsätze. Man kann es als Kleid oder Shirt nähen.

Am Schnitt änderte erstmal nichts, bis auf 2 kleine Brustabnäher da die Armausschnitte etwas zu sehr abstanden.

Das Spiel mit den Längs- und Querstreifen hat mich besonders fasziniert und verleiht dem Kleid ein ganz besonderes Aussehen.




Anfang der Woche trug ich es zum ersten mal zu einer Frühstücksverabredung und merkte bald, dass ich nachbessern musste.
Der Ausschnitt rutschte ständig weiter nach unten und öffnete sich zu weit, sodass ich ständig damit beschäftigt war, alles wieder zurechtzuzupfen. Sehr lästig.

Wieder zu Hause ging ich gleich an die Nähmaschine, trennt mit meinem besten Freund, dem Nahttrenner, die Säume an den Schultern auf und kürzte die Träger um einige Zentimeter. Danach war das Problem behoben - bis ich vor dem Spiegel feststellte, dass die Streifen am oberen Rockteil schief am Oberteil festgenäht waren. Mir war schon vorher aufgefallen, dass da irgendetwas nicht stimmte. 
Also trennte ich auch hier nochmal auf, was relativ lästig war, weil ich mit der Overlockmaschine die Nahtzugaben zusammen gründlich versäubert hatte. 






Am Ende habe ich etwas geschummelt, indem ich vorne die Streifen begradigte, aber an der Seite sanft in das verquere Muster überging, um ein Auftrennen der Seitennaht zu umgehen.
Und ganz ehrlich: Wer schaut schon auf die Seite und achtet dabei noch auf Streifenübereinstimmung?
Sogar ich komme mit diesem Kompromiss klar. 




















Heute morgen habe ich aus dem Rest des Stoffes ein Racerback Shirt genäht und ich weiß nicht, ob es am Stoff oder an mir liegt, ich kriege diese blöden Streifen nicht kontinuierlich übereinander. Selbst wenn ich vorweg hefte verrutscht es mir unter der Nähmaschine - egal ob normale Nähmaschine oder Overlock. 

Hier liegt jetzt ein ähnlicher Stoff mit roten Streifen allerdings ohne Glitzer.  Vermutlich ist Baumwolle für  Streifenneulinge erstmal die bessere Wahl. Oder ich stecke beim nächsten mal die Streifen absichtlich schief, damit sie beim Nähen aufeinandertreffen.

Da die Urlaubzeit anbricht werde ich hier möglicherweise etwas unregelmäßiger schreiben. Mein großer Urlaub war zwar schon im Mai aber bei gutem Wetter werde ich lieber im Garten sein. 

Habt eine schöne Urlaubszeit!









Schnitt: Fashionstyle 05/2017 Kleid 1
Stoff: Becky's Stoffladen, Neu-Anspach
Verlinkt mit Rums

Mittwoch, 5. Juli 2017

My Lady... jetzt hat sie ein Gesicht

Über konsequente Inkonsequenz oder inkonsequente Konsequenz

Beim Unkraut jähten habe ich gerade darüber nachgedacht, wie ich heute beginne und ein Gedanke war: "Ich nähe nicht oft Schnittmuster mehrfach." Dann dachte ich daran, was ich normalerweise so nähe und konnte diesen Gedanken alsbald in die Tonne treten. Ich bin ein gnadenloser Wiederholungstäter, der sich scheinbar manchmal selbst etwas vormacht.

So halte ich mich auch für konsequent, bin aber in der Konsequenz bisweilen sehr inkonsequent. Nach welchem Schema, kann ich nicht sagen, ich höre da einfach auf meinen Bauch. Aber so ist auch die Inkonsequenz der Konsequenz wiederum konsequent. Ich lass Euch mal eine Weile über diesen Satz nachdenken.

Derweil ihr noch darüber nachdenkt, präsentiere ich schon mal ein paar Fotos meiner My Lady Topas von Mialuna bzw. das Freebook von Farbenmix. Übrigens habe ich extra gegoogelt.. ganz oberkorrekt heißt es My Lady und nicht Me Lady. Das wird auch verwendet, aber wenn man von Hoheiten spricht, wird es My Lady geschrieben, aber ausgesprochen wie Me Lady.


Lady Topas Nr. 1

Lady Topas Nr. 2

Lady Topas Nr. 3


Im Detail

Ich kann dafür leider keine schönen Worte finden, weil es sich so tief in meinen Kopf eingegraben hat, dass es mir schwerfällt, einen anderen Namen dafür zu nehmen, auch wenn es diverse dafür gibt. Ich spreche von meinem Spucktuch Top. Kaum ein Stoff polarisiert so sehr, wie dieses Spucktuch. Als ich die ersten Stoffe online sah, war ich sicher: Wir werden keine Freunde. Zu sehr erinnert es mich an die Zeit, wo ich über mehrere Monate (oder gar Jahre?) mit diesen weißen Tüchern über der Schulter rumgelaufen bin, während Sohn Nr. 1 und 2,5 Jahre später Sohn Nr. 2, über dem Spucktuch hingen, ich den Rücken von den Würmern klopfte, auf das Bäuerchen wartete, was in den meisten Fällen von vorverdauter Milch begleitet war und dann im günstigsten Fall im Spucktuch landete. Meist natürlich daneben oder es war so viel, dass es durch das Spucktuch durchging.
Es sei nicht zu vergessen, dass diese Spucktücker zudem die  Vorgänger von Pampers, Fixies, usw. waren. Auch da landete die Milch drin, allerdings komplett verdaut und noch übelriechender. 
Warum in aller Welt sollte ich mit diesen Erinnerungen im Kopf mir ein schönes Kleidungsstück aus diesem Stoff nähen (nebenbei fand ich es eine Frechheit, dass die Spucktücher jetzt meterweise und auch noch doppellagig kommen. Die hätte ich vor 30 Jahren gut gebrauchen können!) 
Alles in mir wehrte sich gegen dieses Material. 
Insgesamt blieb ich bestimmt 4 Monate völlig konsequent. Wenn in mancher Instastory die eine oder andere Erzählende zärtlich über den Windelstoff streichelten, die schönen Muster darauf anpries und mit verklärtem Blick erzählte, was daraus vielleicht alles entstehen könnte, saß ich kopfschüttelnd davor und dachte mir "im L E B E N nicht!!!" 

Lest Ihr noch mit oder denkt Ihr noch über meinen philosophischen Ausbruch oben nach? 

Instagram sowie auch die Startseiten der meisten Onlineshops wurde mit steigenden Temperaturen von Musselin, Double Gauze, Crinkle Denim.... also Spucktuch- und Windelstoffen geflutet. Es wurde alles daraus genäht. Tücher, Shirts, Blusen, sogar Röcke und Kleider. - Nein, nein, nein ... dieser Trend wird an mir vorübergehen. Ich muss ja nicht alles mitmachen. 

Gehirnwäsche? - Oder wie mein Wille gebrochen wurde

Mein starker Wille, meine stahlharte Konsequenz wurde zum ersten Mal mächtig auf die Probe gestellt, als ich auf dem Blog meiner lieben Blogfreundin Jenni aka Basteltantes Nähkästchen war. Sie schrieb so begeistert von ihrem Crinkle Denim, den sie zuvor gewonnen hatte und wie toll er sich anfühlt. Wer mag kann gern auf den Link zu ihrer Seite klicken und nachlesen, was ihr in die Kommntarbox schrieb. 
Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits schon so eine ganz leise Vorahnung, dass ihr Beitrag meine Gedanken auf hinterhältigste Weise infiltriert würden. Kurz zuvor hatte sie ein Wickelkleid gezeigt und wer nähte sich bald danach ein Wickelkleid ... ich!! (Zu meiner Rettung: Es ist ein Kleid in Wickeloptik). 
Wie es dann weiterging, weiß ich gar nicht mehr genau - wahrscheinlich habe ich diesen Teil verdrängt und könnte nur über Hypnose wieder drankommen. Ich erinnere nur, dass ich für die Monatsfarbe Blau auf der Suche nach Stoffen war und irgendwann kam ein Paket von Alles für Selbermacher, in dem über ein Meter (bestelltes) Spucktuch war. Ich öffnete das Paket und  es passierte genau das, was ich nicht wollte:  Ich saß verträumt vor diesem Stoff, streichelte ihn und dachte mit verklärtem Blick an schöne Oberteile, die ich mir daraus nähen könnte. Ein letzter Rest Selbsterhaltungstrieb hielt mich davon ab, spontan eine Instastory zu machen.












Aber es geht ja in meinem Beitrag heute in erster Linie um den Schnitt. Also die Geschichte ist kürzer. Ich bin seit ein paar Wochen bei Facebook, schaffte es mit viel Glück, die Grundlagen zu erlernen und fand bald diverse Nähgruppen, in die ich mich erstmal eintrug. Eine völlig neue Welt eröffnete sich mir. So viele genähte Sachen. U.a. war ein Shirt dabei, das mir sofort gefiel, zudem noch aus einem Stoff, der bei mir zu Hause schon lag. Leider weiß ich nicht mehr, wer das Shirt gepostet hatte, aber es war wunderschön und ich wollte unbedingt auch so eins haben. Und so kam ich zu der Lady Topas von Mialuna. Zufällig hatte ich noch einen Jerseyrest von einem T-Shirt, der sich wunderbar für den oberen Rand eignete, Und wenn ich mich recht erinnere, war es fast der gleiche Farbton von dem Bild bei Facebook, weshalb es jetzt mindestens 2 dieser Shirts in Deutschland gibt und ich hoffe, diejenige ist darüber nicht böse.












Das war also mein erstes Lady Topas!. Mit dem Spucktuchstoff in meiner Hand war es jetzt gar keine Frage mehr, was ich nähe. Nämlich Lady Topas aus Windelstoff. Weil er nicht so dehnbar wie Jersey ist, schnitt ich den Stoff vorsichtshalber in einer 38 anstatt einer 36 zu. Der obere Rand bekam auch einen Jersey, den ich von einem Stück abzwackte, aus dem später der blaue Rock auf den Fotos entstanden ist. 

Lady Topas Nr. 3

Letzten Samstag war bei meinem Haus- und Hofstoffladen eine Rabattaktion. Da mein Weltbester mit seinem Bruder in Frankreich war und ich nichts weiter vorhatte, fuhr ich nach Friedberg, um einfach nur zu gucken - an dieser Stelle wäre jetzt eigentlich ein fettes LOL angebracht, aber ich mag sowas nicht im Blog benutzen. Ich denke, jeder der ansatzweise so gerne näht wie ich, weiß, dass man praktisch nicht in einen Stoffladen geht, ohne etwas zu kaufen. Immerhin war ich nicht inkonsequent, weil ich mir vorher nicht vorgenommen hatte, nichts zu kaufen. Das ist schlau, oder?
So stand alles für mich offen. Das Geschäft war voll und ich konnte mich ganz in Ruhe umsehen, während meine beiden Lieblingsgeschäftsinhaber einen Stoffmeter nach dem anderen für die anderen Kunden zuschnitten.
Allerdings war es dann in der Jerseyabteilung um mich geschehen und mein altes Muster schlug wieder zu. Und das geht so: Ich fahre zu Das Königskind, um Stoff zu kaufen - manchmal mit einer bestimmten Vorstellung oder einfach, um mich inspirieren zu lassen. Dabei entdecke ich so viele Stoffe, dass sogar ich merke, dass ich sie unmöglich alle auf einmal kaufen kann. Also nehme ich "nur" einen Teil mit, behalte aber die anderen im Kopf. Entweder fahre ich dann kurz danach wieder hin, weil sie mir keine Ruhe im Kopf lassen, oder aber ich vergesse sie.... bis ich wieder hin muss und dann wandert ein weiterer "Zusatzstoff" in meinem Einkaufskorb während mindestens 3 weitere im Kopf sind. Und so ging es mir mit dem Jersey von Lillestoff (mein 2. Lillestoff übrigens). Dieses Frauengesicht ließ mir keine Ruhe, war zudem runtergesetzt und gefährlich wenig auf dem Ballen übrig. Mit 80 cm, also ein Rapport, fuhr ich wieder nach Hause (plus 2 weiteren Stoffen - die Lady sollte sich nicht einsam fühlen).







  


Und heute morgen war das 3. Frauengesicht dran. Jetzt hängen und liegen bei mir im Nähatelier diverse Schnitte für Tops und Shirts, die ich ausprobieren wollte (ich nähe ja kaum etwas doppelt.....), aber keiner von den Schnitten passte auf den Stoff bzw. ich hatte zu wenig Stoff für die Schnitte. Und so kam Lady Topas 3. zum Einsatz. Aber diesmal variierte ich, denn eigentlich hat sie vorne eine Raffung und die konnte ich mir bei dem Frauengesicht nicht wirklich gut vorstellen. Also mussten sie weg und ich schnitt das Top ohne die Zugabe für die Raffung zu. Zuschnitt und Nähen war relativ schnell erledigt und so entwickelte ich meinen Beitrag für heute und brauchte nur noch Fotos zu machen. 


Ich brachte die ersten Utensilien in den Garten und zum gefühlten 300. Mal ärgerte ich mich über diesen fetten, großen, lichtraubenden Zweig am Baum, wo ich mich jedes Mal frage, ob ich mit der Astschere drankomme. Und jedesmal ging ich mit dieser Frage nach oben, machte etwas anderes und nahm mir vor, es beim nächsten Mal auszuprobieren. Heute war es dann soweit - denkbar ungünstig, denn ich trug bereits mein schönes Shirt mit Shorts, aber es gibt Momente, da bin ich nicht zu bremsen. Mit Hocker und Astschere bewaffnet ging ich in den Garten und stellte ganz verzückt fest, dass ich an den Ast rankam. Allerdings war das Holz hart und ich hatte etwas Mühe das Ding vom Baum loszukriegen. Aber ich bin nicht umsonst Steinbock. Ich hänge mit meiner Astschere so lange an dem Ding, bewege sie, bewege mich, drücke die Schere mit letzter Kraft weiter zusammen, Positionswechsel (Schere klemmte mittlerweile im Ast), wieder zusammendrücken und plötzlich fiel der gut 2,5 - 3 m lange Ast neben mir zu Boden. Und ich war sauber geblieben. Gut - jetzt Fotos machen! ... Ah, da ist ja noch der Busch, der mich so ärgert. Schnippschnapp, weg! Und da vorne am Haselnussbaum, wo der Wasseranschluß ist, da wächst auch so viel und ich habe gerade die Astschere in der Hand.... mmmh, ich brauche die kleine Gartenschere... (nach oben, Schere geholt)...kurz darauf - alles weg und Berge von abgeschnittenen Ästen um mich. Übrigens stand zudem eine vor der Astaktion frisch gebrühte Tasse Kaffee oben in der Wohnung auf dem Tisch. Aber ich wollte ja "nur schnell" die paar Äste abschneiden, wo ich doch nun schon die Astschere und Gartenschere dabei hatte. Ca. eine Stunde später waren die gröbsten Äste weg, meine Lady hatte zarte Schweißstriche auf dem Gesicht und meine Shorts, die gleich noch extra erwähnt werden, waren voll kleiner Pieksdinger, die sich hartnäckig am Stoff halten. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass sind Kletten. Von den geröteten Armen, die beim Rückschnitt mit Brennesseln in Berührung gekommen waren, will ich gar nicht klagen.                                                                                                                                                                                    


Ich trank erstmal meine mittlerweile auf sehr gute Trinktemperatur herunter gekühlten Kaffee, ließ die Lady trocknen und kam mit 2 stündiger Verspätung zum Fotos machen.
Kaum war ich bereit, schob sich die erste von mehreren noch folgenden Wolken vor die Sonne. So hatte ich zwischendurch Zeit, noch ein wenig Unkraut zu rupfen, Instastories zu posten, zu lesen usw.
Irgendwann war dann alles im Kasten.


Natürlich stehen die Topas Drillinge heute im Vordergrund, aber wie schon angekündigt möchte ich noch kurz auf meine Shorts hinweisen, die aus einem herrlichen Jeans-Jersey sind. Ich habe heute extra nochmal nachgefragt und er heißt tatsächlich so. Ich liebe ja Shorts und Jeansshorts besonders, aber ganz besonders mag ich abends mal bequeme Shorts tragen. Die einzigen, die ich habe, sind von einem Kaffeehersteller, der neben vielen anderen Sachen, tatsächlich auch Kaffee anbietet. Nun sind das eigentlich nur "zu Hause" Shorts, nichts, womit ich normalerweise einkaufen gehen würde. Außerdem hat sie keine Taschen und die brauche ich. Als ich beim vorletzten Besuch im Stoffgeschäft meines Vertrauens war, wurde mir dieser Jersey eigentlich für einen Rock empfohlen, also jenen, den Ihr auch auf den Fotos seht. Stattdessen wählte ich dafür einen Viskosejersey und behielt den Jeansjersey im Kopf. Bis Samstag. Von da an war ich am überlegen, welchen Schnitt ich für die Shorts nehmen würde. Meine erste Wahl war eigentlich die Julika von Prülla, aber dann entschied ich mich spontan um, nahm meinen Lieblingsjeansschnitt von Schnittvision (bisher mindestens 6 mal oder öfter verwendet... ich nähe ganz selten den selben Schnitt.....) und wandelte ihn  für ein dehnbares paar Shorts um. D.h. kein Reißverschluss vorne, stattdessen die vordere Mitte zugenäht, den Bund oben selbst zugeschnitten, Gummi eingezogen und fertig. Mit diesem Jeansschnitt habe ich jetzt eine 4-Pocket Jerseyshorts, die ich auch zum Einkaufen anziehen kann.
Sollte ich im Sommer noch nach Hamburg zu meiner Restfamilie kommen, werde ich allerdings noch ein paar lange Hosen und Jacken mitnehmen müssen, falls es dort mal wieder regnet.








Wie sagte ich heute morgen zu meinem Weltbesten, als er fragte, was ich vor habe: "Ich werde einen Blogbeitrag machen, aber diesmal mehr Fotos zeigen als schreiben."
Was bin ich froh, dass ich mich so konsequent an meine eigenen Vorgaben halten kann und nur wenig geschrieben habe (dabei habe ich schon gekürzt...)

Habt einen schönen Wochenmittentag, denn wir mögen Mittwoch, richtig?

Eure







Die Schnitte:
Top: Lady Topas von Mialuna bei Farbenmix als Freebook erhältlich
Gelbe und blaue Shorts: Abgewandelt nach Schnittvision, K7 Hose 3
Rock: eigenes Design
Die Stoffe:
Lady Topas 1, Lady Topas 2, blauer Jersey, gelber Leinenstoff, Jeansjersey: Das Königskind, Friedberg/Hessen
Double Gauze: Alles für Selbermacher
Verlinkt bei MMM, AWS